Ein seliger Jubiläums-Sonntag

Der letzte Sonntag im Februar 2018 wird den Gemeindemitgliedern aus Pausa wohl noch lange in schöner Erinnerung bleiben. An diesem Sonntag war ein Jubiläum zu feiern,  den Bezug der Versammlungsstätte in der Paul-Scharf-Straße 39 vor 90 Jahren.

Schon vom Wetter her war es ein Tag, wie man ihn sich hätte besser kaum wünschen können: Frost, Sonnenschein und strahlend blauer Himmel.  Anliegen der Feier war es, das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Heimatgefühl in der Gemeinde zu stärken sowie den Kindern und Jugendlichen die über 100-jährige Geschichte der Gemeinde erlebbar zu machen. Das Ganze sollte im Rahmen eines so genannten Musik-Sonntags stattfinden: am Vormittag der Gottesdienst einschließlich verschiedener musikalischer Vorträge und am Nachmittag eine Präsentation, Musik-Vorträge und Gespräche bei Kaffee und Kuchen. In die Vorbereitungen waren alle einbezogen: Chor und Kinderchor hatten Lieder eingeübt, die großen und kleinen Instrumentalisten Musikvorträge geübt, eine Präsentation war vorbereitet worden, und alle waren aufgerufen, etwas mitzubringen, was mit der Gemeindegeschichte in Verbindung gebracht werden kann. Und da war vieles zusammengekommen: die Familien-Bibel der Gemeindegründer, alte Gesangbücher und Chormappen, Fotos und Zeitschriften aus alter Zeit, ein altes Kirchenschild, Zeitungsartikel über die NAK-Gemeinde Pausa, alte Geldscheine und Münzen u. a. m.  Bischof i. R. Manfred Gerisch war als Ehrengast eingeladen, der nach dem Kriegsende in Pausa seine Lehre absolvierte und in dieser Zeit den Gemeindechor dirigierte.

Auf den Gottesdienst zum Jubiläum ...

... wurde die Gemeinde musikalisch auf den Festtag eingestimmt, u. a. durch die Flötengruppe – sie besteht aus 8 Spielern aller Altersgruppen. Das Eingangslied zum Gottesdienst drückte dann aus, was wohl alle Gottesdienstbesucher empfanden: „O seliger Sonntag, du Tag meines Herrn, wie freute sich darauf mein Herz schon von fern!“ Als Bibelwort für den Gottesdienst diente Psalm 65, 2-5. Der 65. Psalm ist ein Danklied für geistlichen und leiblichen Segen. Im Vers 5 heißt es: „Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässest, …, der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel.“ Diese Worte des Königs David konnte jeder Gottesdienstbesucher sicher nur unterstreichen, kann man doch im Hause Gottes immer neu Kraft und Trost empfangen. Nach dem Verlesen des Bibelwortes sang der Kinderchor „Ich bin ein Stein in Gottes Haus“. Gleich zu Beginn seines Dienens griff der Vorsteher den Refrain dieses Liedes auf, in dem es heißt: „Ich bin so froh in Gottes Haus und will nie mehr hinaus.“ Wenn das in allen Herzen steht, ist es um eine Gemeinde gut bestellt. Bezüglich des Feierns eines Jubiläums verwies der Vorsteher darauf, dass man an einem solchen Tag den Blick mehr auf das Ganze richtet und weniger auf die kleinen Dinge, die das Miteinander oft belasten. So kann ein Jubiläum helfen, die Sicht zu verändern und manches zu relativieren.

Zu einem Predigtbeitrag rief der Vorsteher den Hirten Harald Haupt aus der Nachbargemeinde Zeulenroda, dessen Urgroßvater zu den Gründern der Gemeinde Pausa zählt. Zum Abschluss des Gottesdienstes sang der Chor das Lied „Gemeinsam“. Dort heißt es in der letzten Strophe u. a.: „Unsre Chance heißt ‚Gemeinde!‘“ Nach dem Gottesdienst lasen zunächst zwei Mädchen Teile aus der Gemeindechronik vor, anschließend Hirte Haupt einige Passagen aus den Tagebuchaufzeichnungen seines Urgroßvaters. Man kann immer wieder nur bewundern, mit welch unerschütterlichem Vertrauen sich die damaligen Glaubenspioniere in den Dienst Gottes gestellt haben. Dann folgte ein „musikalisches Dessert“, das mit dem gemeinsamen Singen von „Großer Gott, wir loben dich“, begleitet vom Bläser-Ensemble, endete und den Vormittag abschloss.

Das Zusammensein zum Jubiläum ...

... am Nachmittag begann mit einem musikalischen Vortrag von Saxophon und Klavier. Dann folgte die Präsentation „114 Jahre Gemeinde Pausa – Eine aktive Gemeinde im Vogtland“. Zurzeit zählt die Gemeinde 60 Mitglieder. Der Altersdurchschnitt liegt bei 48 Jahren. Insbesondere auf musikalischem Gebiet bringen sich viele ein. So gibt es einen Gemeindechor, einen Kinderchor, eine Flötengruppe und ein Bläser-Ensemble. Mit Blick auf die Versammlungsstätte kann man feststellen: In den zurückliegenden 90 Jahren wurde aus einem ehemaligen Stickerei-Gebäude durch ständige Modernisierung, überwiegend in Eigenleistung, ein würdiger Gottesdienstraum geschaffen. Die anschließenden Gespräche bei Kaffee und Kuchen verliefen in einer ausgesprochenen Wohlfühl-Atmosphäre. Bischof i. R. Gerisch wusste vieles Hörenswerte aus alter Zeit zu erzählen, so dass die Zeit wie im Fluge verging. Mit einem Gebet, in dem viel Lob und Dank zu Gott empor geschickt wurde, fand der Musik-Sonntag seinen Abschluss.