Ein Fest des Glaubens
- Bezirksapostel Rüdiger Krause zum Gottesdienst für Entschlafene in Auerbach/Vogtland -

Bezirksapostel Rüdiger Krause diente am Sonntag, den 1. November 2020 in der Gemeinde Auerbach/Vogtland. Eigentlich wollte Stammapostel Jean-Luc Schneider den Gottesdienst für Entschlafene in Auerbach feiern. Die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie verhinderten das.

Gottesdienste für Verstorbene sind besondere Höhepunkte, die seit 1954 jeweils am ersten Sonntag im März, Juli und November stattfinden. Neuapostolische Christen gedenken in diesen Gottesdiensten in besonderer Weise der Verstorbenen. Den Seelen in der Ewigkeit werden die Sakramente Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl gespendet.

Dem Gottesdienst lag das Bibelwort Römer 14,9 zugrunde:

„Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.“ 

Bereits im Vorfeld dieser besonderen Gottesdienste ziehen Gedanken an liebe Menschen durch die Herzen und es kommt sicherlich auch Traurigkeit auf. Doch wenn dann der „Gedenktag für unsere Entschlafenen“ angebrochen ist, verspüren wir Frieden und Freude. Freude deshalb, weil wir wissen, dass der Verlust eines Menschen nur eine Trennung auf Zeit ist. Seit Jesus das Opfer ohne Einschränkungen erbracht hat läuft die Uhr gegen das Böse. Denn mit jedem Tag, mit jeder Stunde nahen wir uns dem Wiederkommen Jesu und damit auch dem Wiedersehen mit unseren Verstorbenen.

Trauer braucht Zeit. Doch die frohe Botschaft „Siehe, ich komme bald!“ möge durch das Dunkel der Trauer hindurchleuchten.

Engel - Wegbegleiter

Bezugnehmend auf die instrumental vorgetragene Vertonung der Verse 11 und 12 aus dem 91. Psalm „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ sprach Bezirksapostel Krause davon, dass Engel Befehlsempfänger seien – uns zugute. Das drücke die Fürsorge Gottes aus. Mögen wir diese behütenden Momente richtig im Leben einordnen. … auch, wenn nicht alles glatt läuft und wir über Steine stolpern.

Vorurteilsfrei und vergebungsbereit - ein Reifeprozess 

Wie viele Seelen sind bereits in die Ewigkeit gezogen? Wie viele von ihnen sind Opfer von Gewalttaten geworden? Können sie ihren Peinigern vergeben und den Frieden Jesu auf sich ziehen? Die Anklagen hinter sich zu lassen braucht Zeit.

Als Beispiel für einen solchen Reifeprozess stellte Bezirksapostel Krause Josef, den Sohn Jakobs, in den Mittelpunkt. Dieser war als Teenager ein Sonderling. Er hatte „eigenartige“ Träume und verpetzte seine Brüder und die Angestellten seines Vaters. Damit machte er sich bei ihnen unbeliebt. Doch auch er musste verschiedene Lebenssituationen und -stationen durchlaufen. Dadurch reifte er in seiner Erkenntnis. Schlussendlich reichte er seinen Geschwistern versöhnend die Hand.

Wie ist es in unserer Zeit? Wir haben sicherlich auch Erinnerungen an Menschen, die uns verletzt haben. Wie schnell stempeln wir diese ab. Unsere Meinung über sie ist vielleicht so zementiert, dass wir ihre Veränderung, ihre Wandlung nicht wahrhaben (wollen).
Schaffen wir Raum in unserem Herzen und lassen wir zu, dass Jesu' Gnade sie erreichen kann. Machen wir doch bitte einen Neuanfang im Denken, im Fühlen, im Umgang miteinander.

Jesus – der Wegbereiter

Zu Ostern durchbrach Jesus die Herrschaft der Sünde und schuf den Zugang zu Gott. So wie hier auf Erden verkündigte er die frohe Botschaft auch in der jenseitigen Welt. Und durch seine Auferstehung zeigt(e) er das durchbrechende Leben.

Er verleiht die Fähigkeit, an ihn zu glauben, ihm nachzufolgen und das ewige Leben zu er(w)erben. Entscheidend ist, dass wir auf Gott vertrauen und Jesus als fundamentalen Baustein in Gottes Erlösungsplan (an)erkennen. Gott hat durch Jesu' Opfer und Auferstehung Kraft und Vollmacht in diese Zeit gesetzt. Die Kontinuität des Heils ist gewährleistet durch den Sendungsauftrag der Apostel.
Gottes Heilswille ist universal. Doch er drängt sich niemandem auf. Er bietet seine Hilfe an unter Achtung der Gedanken- und Gefühlswelt jedes Einzelnen. Wir sind in Gottes Hand - im Diesseits und im Jenseits. Er verlässt uns nicht, er begleitet uns. Glauben wir an das Evangelium, an das ewige Leben und vertrauen wir auf seine Allmacht.

Und so wie wir hier auf Erden die Gnade Gottes empfangen, dürfen auch die Entschlafenen in deren Genuss kommen. Nicht jede Seele ist sofort dazu bereit, die Hilfe Gottes anzunehmen. Denn auch diese Seelen durchlaufen einen Prozess der Reife und Weiterentwicklung.

Wenden wir uns hin zu dem, der lebt, der das ewige Leben geben kann, der uns liebt, der seine Verheißungen erfüllt und der wiederkommen wird. Diese Botschaft gilt hier im Diesseits als auch im Jensseits.

Ein Fest der Freude und Barmherzigkeit

In seiner Copredigt spach Apostel Ralph Wittich davon, dass er vor etlichen Jahren zur Osterzeit in Rumänien unterwegs war. Die Menschen dort sind überwiegend orthodox geprägt. Verwundert stellte er fest, dass auf den Friedhöfen durchweg weiße Grabsteine aufgestellt und bunte Bänder arrangiert worden waren. Auf seine Frage, warum das so sei, erhielt er die Antwort: „Ostern sei ein Fest über den Gräbern". Diese Sehensweise gibt angesichts des Todes Trost und Hoffnung. Denn diese Hoffnung hat uns Jesus Christus verliehen. Er ist beständig - gestern, heute und in Ewigkeit. Er steht für Gnade und Wahrheit. 
Und das ist gut so, denn k
einer von uns kann behaupten fehlerlos zu sein. An den zehn Geboten scheitern wir immer wieder. Gott möchte Gnade walten lassen. Er vergibt und schenkt immer wieder neue Kraft, um vorwärts zu gehen. Wir sind gefordert, die Fehler zu meiden.


Nachdem die Gottesdienstteilnehmer gemeinsam das Heilige Abendmahl gefeiert hatten spendete Bezirksapostel Krause dem Gemeindevorsteher, Hirte Uwe Herrmann, und einem Priester aus der Gemeinde Auerbach stellvertretend für die Seelen aus dem Jenseits die drei Sakramente Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl. In seiner Ansprache stellte Bezirksapostel Krause die Kinder in den Mittelpunkt, denn sie verfügen über eine seltene und große Gabe: Kinder können im Handumdrehen vergeben und vergessen. Sie halten sich nicht an unguten Dingen auf. Lasst es uns ihnen gleich tun.

Der Gottesdienst war geprägt von einer andächtigen Atmosphäre, zu der auch die einfühlsamen Musikbeiträge der Instrumental- und Sängergruppen beigetragen haben.